
Julia Felber
Der Fliegenpilz und Weihnachten: War der erste Weihnachtsmann ein Schamane?
Der Fliegenpilz und Weihnachten: War der erste Weihnachtsmann ein Schamane?
Der Fliegenpilz (oder Amanita muscaria auf Lateinisch) ist wohl einer der bekanntesten Pilze. Besonders die rote Farbe und weisse Flecken machen den Fliegenpilz unverkennbar. Es ist auch weithin bekannt, dass der Fliegenpilz giftig ist und auf keinen Fall verzehrt werden soll.

Heute möchte ich mich mit einem bestimmten Aspekt des Amanita muscaria auseinandersetzen: seiner Verbindung zu Weihnachten.
Der Fliegenpilz als Weihnachtsdekoration ist schon mindestens seit viktorianischen Zeiten sehr beliebt und wenn man den Geschichten glaubt, hat dies seinen Ursprung bei den indigenen Schamanen im hohen Norden. Einige Quellen nennen das Volk der Sámi aus der Sápmi Region, die den Norden von Norwegen, Schweden, Finnland und Russland umfasst, andere indigene Völker aus Sibirien.

Die Wintersonnenwende findet für uns auf der Nordhalbkugel am 21. oder 22. Dezember statt und ist die längste Nacht des Jahres. Für indigene Völker im hohen Norden bedeutete dies einen Wendepunkt im Überlebenskampf während des strengen Winters. Dies ist auch eine signifikante spirituelle Zeit, in der die Schamanen versuchten durch Trance die Zukunft zu sehen, mit spirituellen Führern zu kommunizieren oder Gesellschaftsprobleme zu lösen.
Um diesen Trancezustand zu erreichen, wurden oft Trommeln, Gesänge oder der Konsum von Fliegenpilze zur Hilfe gezogen. Die Giftstoffe der Fliegenpilze können nämlich durch deren Trocknen vermindert werden. (Ich würde den Konsum trotzdem nicht empfehlen!) Deshalb wurden die Fliegenpilze oft zum Trocknen an Bäume gehängt.
Rentiere sind immun gegen die Giftstoffe der Fliegenpilze, es wird aber gesagt, dass auch sie die bewusstseinserweiternde Nebenwirkung spüren. Man hat beobachtet, dass Rentiere wie wild herum hüpften, nachdem sie an Fliegenpilzen geknabbert hatten.
Findige Schamanen hatten entdeckt, dass der Rentierurin keine Giftstoffe mehr enthielt, aber dennoch einen Trancezustand herbeiführte. Als Alternative zu den getrockneten Pilzen tranken Schamanen Rentierurin, um veränderte Bewusstseinszustände zu erreichen und Visionen zu erleben. Man kann sich nun vorstellen, dass ein Schamane im Trancezustand die hüpfenden Rentiere durchaus als fliegend interpretieren könnte.
Wenn die Schamanen sich in den dunklen Winternächten in ihre traditionelle roten Mäntel mit weissen Stickereien hüllten, auf ihre Rentier bespannten Schlitten setzten und auf den Weg machten, die Dorfbewohner zu besuchen, war der Schnee manchmal so hoch, dass man die Jurten der Bewohner nicht durch die Tür betreten konnte, sondern durch die Luke im Dach hineinklettern musste.

In der Schweiz mag es zwar nicht Tradition sein, dass der Weihnachtsmann am Heiligabend durch den Kamin zu Besuch kommt, aber auch uns ist der pausbäckige Mann im roten Anzug und weissem Rauschebart zu mindesten aus Fernseh und Film bekannt.
Und wenn man nun die indigenen Schamanen und ihre “fliegenden” Rentiere betrachten, sieht man durchaus, woher Haddon Sundblom, der 1931 für den bekannten Süssgetränkehersteller den ersten modernen Weihnachtsmann illustrierte, seine Inspiration fand. Seine Eltern waren nämlich aus Finnland und Schweden.
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Tischkalender
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Wandkalender
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