top of page
< Back
hello@mellowapricotstudio.com

Julia Felber

Der Junge, der den Nordwind besuchte – ein Skandinavisches Wintermärchen

Der Junge, der den Nordwind besuchte – ein Skandinavisches Wintermärchen

Geschrieben von Jenny Mugrige und aus dem Englischen übersetzt von Julia Felber

Es war einmal ein dickköpfiger junger Bursche, der mit seiner verwitweten Mutter im hohen Norden lebte. Es war eiskalt und schwierig, etwas zum Essen zu finden. Jedes Mal, wenn der Bursche Nahrungsmittel aus der Speisekammer holte, damit seine Mutter kochen konnte, blies der Nordwind sie ihm aus den Armen und trug sie weit fort. 


Der Junge wurde jedes Mal wütender und beschloss eines Tages, dass er zum Nordwind gehen würde, um dessen Essen fort zu tragen. 


Es war ein langer Weg, aber der Bursche war unglaublich störrisch und so wanderte er bis er zum Haus des Nordwindes gelangte.


“HALLO”, tobte der Nordwind. “ICH KENNE DICH! WIESO BIST DU HIERHER GEKOMMEN?” 


“HALLO”, schrie der Junge zurück. “Ich dachte, da du zu mir nach Hause gekommen bist und mir mein Essen gestohlen hast, sollte ich nun zu dir kommen und es zurück verlangen! Du musst nämlich wissen, wir sind am verhungern!"


Der Nordwind schaute so unangenehm berührt drein, wie man als Wind schauen konnte, und brüllte entschuldigend: “DAS TUT MIR LEID! WENN DU WIRKLICH SO ARM BIST, DANN NIMM DIESES TISCHTUCH. SAGE EINFACH ‘TISCHTUCH ENTFALTE DICH UND BRING MIR EIN LECKERES MAHL’ UND DU SOLLST DAS MAHL ERHALTEN.”


Der Bursche war zufrieden mit dieser Gabe und machte sich auf den Heimweg. Weil der Weg aber so lang war, musste er in einem Gasthof übernachten. 


Er hatte kein Geld, entschied sich aber, sein Tischtuch auszubreiten und sagte: “Tischtuch entfalte dich und bring mir ein leckeres Mahl!” Und wie der Nordwind es versprochen hatte, erschien ein Festmahl auf dem Tuch, dass die ganze Kneipengesellschaft sättigte. Alle Gäste waren sehr zufrieden und verbrachten einen freudigen Abend zusammen.


Die Wirtin aber wusste, wie viel Geld sie mit diesem Tischtuch verdienen könnte und als alle schliefen, schlich sie sich in das Zimmer des Jungen und vertauschte sein magisches Tischtuch mit einem ganz gewöhnlichen. 


Als der Bursche am nächsten Tag zu seiner Mutter gelangte, war er ganz aufgeregt und stolz auf seinen Starrsinn. Aber als er das Tischtuch entfaltete und die magischen Worte sprach, passierte… nichts! Beide waren sie enttäuscht.


Nachdem er eine Nacht in seinem eigenen Bett verbracht hatte, machte der junge Bursche wieder auf den Weg zum Nordwind. Als er durch die Tür trat, dröhnte es: “GUTEN ABEND!” 


“GUTEN ABEND!” rief der Junge zurück. “Das Tuch, das du mir gegeben hast, funktioniert nicht mehr. Gib mir mein Essen zurück!” 


“HMM”, murmelte der Nordwind schallend, "ICH HABE DEIN ESSEN NICHT, ABER DU KANNST DIESEN WIDDER MITNEHMEN. WENN DU IHM MIT DEN FINGERN DURCH DIE WOLLE FÄHRST, FALLEN GOLDSTÜCKE HERAUS.”


Der Knabe führte den Widder zurück zum selben Gasthof, wo er so einen geselligen Abend verbracht hatte, aber behielt die Magie des Tieres für sich.


Die Wirtin ahnte jedoch, dass dies kein gewöhnlicher Widder war und tauschte ihn erneut in der Nacht, ohne dass der Junge etwas bemerkte. 


Und so kam es, dass der Jüngling wieder erfreut nach Hause kam und seiner Mutter den magischen Widder zeigen wollte. Er strich mit seinen Fingern wieder und wieder durch die Wolle, aber nichts geschah. Die Mutter machte sich langsam Sorgen um ihren Sohn, aber der marschierte schnurstracks zurück zum Nordwind. 


“WAS NUN?” brüllte der Nordwind ihm entgegen. Der Bursche stoppte, sammelte seinen Atem und brüllte zurück: “Du bist der, der mir dubiose Zaubertricks gibt, die nur einmal funktionieren! ICH WILL MEIN ESSEN ZURÜCK!”. Er war so wütend, dass sein Gesicht ganz rot anlief.  


“MIR REISST BALD DER GEDULDSFADEN, JUNGE! ICH BIN NICHT DER, DER DICH AUSTRICKST! NIMM DIESEN KNÜPPEL DA IN DER ECKE UND WENN DU SAGST ‘KNÜPPEL SCHLAG’ PRÜGELT ER AUF DIE PERSON DEINER WAHL EIN BIS DU SAGST ‘KNÜPPEL STOP’”.


Die Worte des Nordwinds brachten den Burschen auf eine Idee. Er ging zurück zum Gasthof, prahlte mit seinem magischen Knüppel und täuschte dann vor, sich schlafen zu legen. 


Als die Wirtin sich zum dritten Mal in sein Zimmer schlich, rief der Junge: “Knüppel schlag!”. 


Und als der Knüppel auf die Wirtin losging, bettelte diese: “Bitte, mach, dass er aufhört! Ich gebe dir dein richtiges Tischtuch und deinen echten Widder zurück!” Und als er das hörte, sprach der Knabe ruhig: “Knüppel stop”. 


Am nächsten Morgen packte er sein magisches Tischtuch, den echten Widder und seinen Knüppel zusammen und machte sich ein letztes Mal auf seinen Heimweg. Schlussendlich war er zufrieden, was er mit seiner Dickköpfigkeit erreicht hatte.

Über die Authorin: http://jennymugridge.com/


Hat Dir diese Geschichte gefallen? Der 2026 Fairytale Calendar beinhaltet diese und 11 weitere Geschichten aus aller Welt und ist zur Zeit auf English verfügbar.

Kalender

2026 Fairytale Calendar

This 2026 Fairytale Wall Calendar is a collection of 12 stories from countries around the world such as Brazil, Germany, Iran, Japan, Wales and more.

Mondkalender

2026 Mondkalender

Illustriertes A4 Poster mit Mondphasen für das Jahr 2026

Tischkalender

2026 Tischkalender

Farbenfroher A5 Tischkalender für das Jahr 2026

Heike Felber

Kasernenstrasse 24

8180 Bülach

  • Instagram
  • Pinterest
  • Facebook
Unser Newsletter
weitere Kunst & Kulturangebote
kultUHR_Logo_www.jpg

Join us on mobile!

Download the “kunstvernetzt” app to easily stay updated on the go.

Scan QR code to join the app
Download on the App Store
Get it on Google Play

© 2025 by KUNSTvernetzt | Powered and secured by Wix

bottom of page